Großbardorf: Gemeinsam zu mehr Energieeffizienz

In Großbardorf packen alle mit an – das 950-Einwohner-Dorf im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld hat seine Wärme- und Stromversorgung gemeinschaftlich organisiert. So verfügt Großbardorf über eine Biogasanlage, die die regional ansässigen Landwirte betreiben. Die Heizzentrale mit einem Hackschnitzelkessel, sowie das über 6 km lange Nahwärmenetz werden von der Friedrich-Wilhelm Raiffeisen Energie eG Großbardorf betrieben, die die Keimzelle für die verstärkte Nutzung von erneuerbarer Energie in der Gemeinde ist und ihre Mitglieder seit Ende November 2011 mit Wärme versorgt. Dank des gemeinschaftlichen Engagements und der Investitionen der Großbardorfer verfügt die Ortschaft außerdem über mehrere Photovoltaikanlagen. Es wird mehr als das vierfache an Strom in Großbardorf erzeugt, wie die Bürger verbrauchen und nebenbei werden noch ca. 300.000 Liter Heizöl eingespart. Insgesamt 15 Millionen Euro haben die Einwohner seit 2005 in regenerative Energien investiert. Geld, das dafür sorgt, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt.

Landwirte als Experten für die Biogasanlage

41 Landwirte, die ihre Tätigkeit haupt- oder nebenberuflich ausüben, betreiben gemeinschaftlich die Biogasanlage von Großbardorf. Die Anlage ist entsprechend der Einwohnerzahl des Ortes geplant und dimensioniert. Außerdem ist sie optimal in den Kreislauf der Biomasseverwertung eingebunden: Zunächst produzieren die Anlageeigentümer Substrate, mit der sie die Anlage beliefern. Nach dem Gärprozess bringen die Landwirte die Gärreste auf ihre Felder aus. Bei der Substratproduktion wird auf einen schonenden Umgang mit dem Boden Wert gelegt: Der Mais-Anteil liegt bei unter 7 Prozent, zusätzlich wird die Feldflur durch Blühstreifen aufgelockert. Das Biogassubstrat selbst wird durch Kräutermischungen und Riesenweizengras ergänzt.

Standortfaktor Biogas

Die Gemeinde Großbardorf ist nicht nur 2012 als eine von drei Gewinnern des Bundeswettbewerbs Bioenergiedörfer 2012 ausgezeichnet worden. Sie profitiert auch darüber hinaus von ihrer Biogasanlage: So siedelte sich ein mittelständisches Unternehmen mit mehr als 130 Mitarbeitern an, das den Anschluss an das Nahwärmenetz als einen großen Standortvorteil sah und sich so für die Ansiedlung in der Gemeinde entschied.